Häufig gestellte Fragen

DB AG/Daniel Saarbourg

Auf dieser Seite finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zum neuen ICE-Werk Nürnberg.

Fragen zum Standort Nürnberg

Warum möchte die Bahn ein ICE-Werk in Nürnberg bauen?

Eine leistungsfähige Eisenbahn ist das Rückgrat der Mobilitätswende. Allein für den Ausbau und die Modernisierung ihrer Fernverkehrsflotte investiert die DB bis 2026 die Rekordsumme von 8,5 Milliarden Euro, u. a. in insgesamt 167 neue ICE 3 und ICE 4. Die vielen neuen Züge müssen regelmäßig inspiziert, gereinigt und repariert werden. Deshalb bauen wir die Werkstattkapazitäten weiter aus. So werden wir der wachsenden Nachfrage auf der Schiene gerecht und können unseren Kund:innen eine zuverlässige und attraktive Bahn bieten.

Nürnberg ist ein zentraler Bahnknotenpunkt, den wir seit Jahren nachhaltig stärken. Hier verlaufen schon heute wichtige Linien, die viele Fahrgäste nutzen. Daher werden wir hier zukünftig einen Teil unserer ICE-Flotte beheimaten. Das neue ICE-Werk wird ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur „Starken Schiene". Mehr als 5.000 DB-Mitarbeiter:innen sind schon heute in der Metropolregion beschäftigt. Mehr als 450 Menschen werden im neuen ICE-Werk neue hochwertige und zukunftssichere Arbeitsplätze finden.

Wie wird der neue Standort in der Metropolregion Nürnberg ermittelt?

Sicher ist: Das neue ICE-Werk soll in den Bahnknoten Nürnberg kommen, der konkrete Standort ist jedoch noch nicht entschieden. Um den optimalen Standort des neuen ICE-Werks zu finden, wird unter der Führung der Regierung von Mittelfranken ein Raumordnungsverfahren durchgeführt. In diesem Verfahren tragen wir aktiv dazu bei, den objektiv besten Standort für das neue ICE-Werk zu ermitteln.

Wir beantragen die Durchführung des Verfahrens bei der Regierung von Mittelfranken und reichen Unterlagen zu den möglichen Standorten ein, darunter Lagepläne, Gutachten und Begründungen. Der finale Standort wird durch die Überprüfung der Raumverträglichkeit im Raumordnungsverfahren ermittelt. Dieser Standort wird im Anschluss in das Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt eingebracht.

Wir werden neben den Verwaltungen vor allem die Bürger:innen sowie die Umweltverbände in die Planung miteinbeziehen. Unser klares Ziel: Im Jahr 2028 sollen die ersten ICEs in dem neuen Werk gewartet werden.

Welche Kriterien muss der neue Standort erfüllen?

Das neue ICE-Werk muss infrastrukturell gut angebunden sein und nah am Nürnberger Hauptbahnhof liegen, damit die Züge von dort schnell in die Instandhaltung gelangen und auch wieder zurück. Die Zeitfenster für die Wartung, Instandhaltung und Reinigung zwischen den Fahrten mit Fahrgästen sind kurz. Gleichzeitig muss der Standort groß genug sein für alle Anlagenteile des neuen ICE-Werks. Da die Metropolregion sehr dicht besiedelt ist, gibt es nur wenige Areale, die sich eignen. Im Raumordnungsverfahren werden diese objektiv auf Basis klar definierter Kriterien geprüft.

Fragen zum Raumordnungsverfahren

Wann beginnt das Raumordnungsverfahren für das neue ICE-Werk?

Die Planungen der Stufe 1 von 2 im Vorlauf auf das Raumordnungsverfahren sind abgeschlossen. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist eine Standortvorauswahl mit Darstellung neun möglicher Standorte für das neue Werk. Aktuell erarbeitet die Deutsche Bahn die Gutachten und Planungen und stellt im Anschluss die entsprechenden Antragsunterlagen für den offiziellen Start des Raumordnungsverfahrens zusammen. Das Raumordnungsverfahren zum neuen ICE-Werk in Nürnberg eröffnet die Regierung von Mittelfranken als Leiterin des Verfahrens nach Einreichung der Antragsunterlagen. Die Unterlagen für das Raumordnungsverfahren reicht die DB voraussichtlich im November 2021 offiziell ein, erst dann startet das Verfahren.

Wie läuft das Raumordnungsverfahren ab?

Nach offiziellem Start des Verfahrens durch das Einreichen der finalen Antragsunterlagen durch die DB hört die Regierung von Mittelfranken u. a. die von dem Vorhaben betroffenen Kommunen, Behörden, Naturschutz-, Wirtschafts- und Sozialverbände sowie die Öffentlichkeit an.

Nach Auswertung der Stellungnahmen und Einwendungen ermittelt die Regierung von Mittelfranken in einem neutralen „Fakten-Check“ alle von dem Projekt berührten Belange (z. B. Wirtschaft, Verkehr, Siedlung, Natur und Landschaft), prüft und gewichtet diese.

Wie werden die Stadt Nürnberg sowie die Anwohner:innen in das Verfahren einbezogen?

Die Stadt Nürnberg wird im Raumordnungsverfahren als betroffener Träger öffentlicher Belange (TöB) Stellung zu den Antragsunterlagen beziehen. Darüber hinaus können auch Privatpersonen im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung Fragen und Anmerkungen einbringen. Die Regierung von Mittelfranken wird diese Stellungnahmen, Fragen und Anmerkungen als Leiterin des Raumordnungsverfahrens im Zuge der Entscheidung über die Raumverträglichkeit bewerten.

Die Deutsche Bahn informiert die breite Öffentlichkeit transparent über das neue ICE-Werk. Wir binden die Bürger:innen frühzeitig ein, beantworten ihre Fragen und laden sie zum Dialog ein - abhängig von weiteren Corona-Entwicklungen entweder in Online- oder in Präsenzveranstaltungen. Hier auf der Projekthomepage veröffentlichen wir regelmäßig Informationen zum aktuellen Planungsstand, einschließlich des Zeitplans unseres Bauvorhabens sowie zu anstehenden Dialogterminen. Auch berichten wir über die einzelnen Schritte des Raumordnungsverfahrens und wo wir aktuell stehen.

Fragen zum Umwelt- und Naturschutz

Warum werden auch Standorte untersucht, die einen Eingriff in die Natur erfordern würden?

Das neue ICE-Werk muss möglichst nah am Hauptbahnhof Nürnberg liegen, damit die Züge in den kurzen Zeitfenstern zwischen den Fahrten schnell in die Instandhaltung und wieder zurück zum Hauptbahnhof gelangen können. Gleichzeitig ist die Metropolregion sehr dicht besiedelt. Freiflächen der erforderlichen Größe von bis zu 4,45 Kilometern Länge und bis zu 45 Hektar Fläche existieren nicht. Deswegen lässt sich ein Eingriff in die Natur voraussichtlich nicht vollumfänglich vermeiden.

Wie für jedes Großprojekt gilt auch bei der Planung für das neue ICE-Werk das Minimierungsgebot: Notwendige Eingriffe in die Natur müssen und werden so gering wie möglich ausfallen. Welche Schutzgüter sich auf den Flächen befinden (zum Beispiel Bannwald oder geschützte Arten), wird für die zur Auswahl stehenden Flächen aktuell in Gutachten ermittelt, die dann in den Antragsunterlagen zum Raumordnungsverfahren eingebracht werden.

Welche Ausgleichsmaßnahmen trifft die Deutsche Bahn im Falle eines Eingriffs in die Natur?

Wann immer wir für neue Bahnanlagen in die Natur eingreifen müssen, schaffen wir einen entsprechenden Ausgleich. Wenn wir Wald abholzen, forsten wir an anderer Stelle wieder auf. Wir siedeln Tiere um oder schaffen neue Habitate für geschützte Arten. Dazu sind wir nicht nur rechtlich verpflichtet – Umwelt- und Naturschutz sind uns auch unabhängig davon ein wichtiges Anliegen. Darin haben wir als Deutsche Bahn sehr viel Erfahrung und wir arbeiten bundesweit eng mit Umwelt- und Naturschutzverbänden zusammen.

Falls notwendig, wo will die Deutsche Bahn aufforsten oder neue Naturräume schaffen?

Die zuständige Verwaltung entscheidet darüber, wo wiederaufgeforstet wird und wo Artenschutzmaßnahmen den Eingriff ausgleichen können. Dafür entwickelt die Deutsche Bahn gemeinsam mit Verwaltungen und Verbänden mögliche Konzepte. Dabei stellen wir sicher, dass alle nationalen und europäischen Vorgaben des Umweltrechts erfüllt werden.

Welche Ausgleichsmaßnahmen nötig sein werden, wird aktuell für die verschiedenen Standorte untersucht und im Zuge der Antragsunterlagen zum Raumordnungsverfahren entsprechend detailliert dargestellt. Unser Anspruch ist dabei, den Ausgleich dort umzusetzen, wo er Natur und Mensch am meisten zugutekommt.

Fragen zum Betrieb des ICE-Werkes

Um was für ein Werk handelt es sich?

Im neuen ICE-Werk werden pro Tag bis zu 25 ICE-Züge gewartet und repariert. Die Züge werden innen und außen gereinigt, die Bordgastronomie wird ausgestattet, Zugdaten werden aufgespielt, planmäßige Wartungen vorgenommen und Störungen beseitigt.

Das neue ICE-Werk Nürnberg wird zu 100 Prozent CO2-neutral betrieben und sich aus erneuerbaren Energiequellen speisen. Es wird ohne Kohle, Gas oder Öl arbeiten. Durch Automatisierung und intelligente Gebäudetechnik und -steuerung werden wir den Energieverbrauch so gering wie möglich halten. Wir setzen auf Technologien wie Solarthermie für Heizung und Warmwasser sowie Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung und eine besonders isolierte Gebäudehülle, die auch zum Schallschutz beiträgt.

Die Deutsche Bahn hat bereits umfangreiche Erfahrungen mit klimaneutralen und umweltgerechten Werken. Beispiele sind das erste CO2-freie Fernverkehrswerk in Köln-Nippes, das S-Bahn-Werk in Hamburg-Stellingen, das ebenfalls klimaneutral betrieben wird, sowie das Instandhaltungswerk München-Pasing, in dem DB Regio durch den Einsatz von Geothermie und energieeffizienten Anlagen im Vergleich zu herkömmlichen Werken bis zu 80 Prozent CO2 einspart.

Unser Anspruch als Deutsche Bahn ist, als Unternehmen bis 2050 klimaneutral zu sein. Umweltschutz ist für uns oberstes Gebot. Für Nürnberg kann und wird nichts anderes gelten.

Wie geht die Deutsche Bahn in Nürnberg mit den typischen Lärmgeräuschen wie Warnhupen um?

Schallschutz ist ein wichtiger Teil der Planung, sowohl im Hinblick auf die Bauphase als auch auf den späteren Betrieb. Geräusche lassen sich auf einem Werksgelände, beispielsweise durch Ein-, Aus- oder Rangierfahrten leider nicht vermeiden, aber sie lassen sich durch eine Reihe von Maßnahmen senken. Diese prüfen und berechnen wir bereits im Vorfeld und beziehen dabei auch Erfahrungswerte aus anderen Werken und Betriebsanlagen mit ein. Schallschutz ist deshalb ein Thema, das wir von Anbeginn als Teil der Werksplanung mitdenken. Unser klares Ziel ist es, die Belastungen so gering wie möglich zu halten. Betriebsnotwendige Warnsignale, beispielsweise das Makrophon (Zughupe), wollen wir innerhalb des Werkes so einsetzen, dass es in Kombination mit entsprechenden Maßnahmen zu keiner Belästigung der Anwohner:innen kommt.

Bei der Gesamtlärmanalyse berücksichtigen wir nicht nur den Schall, der vom neuen ICE-Werk ausgeht, sondern auch bereits vorhandene Lärmquellen, beispielsweise bestehende Gleise und Straßen. Unsere Erfahrung ist, dass diese umfangreichen Untersuchungen und anschließenden Maßnahmen die schon jetzt gegebene Lärmsituation vor Ort häufig sogar verbessern.

Wie werden die umliegenden Siedlungen vor Lärm geschützt?

Das neue ICE-Werk sowie dazugehörende Betriebs- und Gleisanlagen passen wir individuell an die Gegebenheiten des Standortes an, zum Beispiel durch die spezielle Anordnung entsprechender Anlagen auf dem Werksgelände. Wir analysieren die Gesamtlärmsituation – inklusive bestehender Straßen und Gleise – und entscheiden auf dieser Basis, wo welche Art von Schallschutz notwendig wird. Beispielsweise können wir speziell isolierte Hallenwände verwenden und das Gelände um das Werk herum so modellieren, dass angrenzende Flächen bestmöglich vor Schall geschützt sind. Auch der Bau von Lärmschutzwänden um die Anlagen des ICE-Werks kann eine Möglichkeit darstellen. Bei all diesen Betrachtungen, die im weiteren Planungsverlauf ausdetailliert werden, achten wir gemeinsam mit den zuständigen Behörden und Gutachtern darauf, dass wir die Grenz- und Richtwerte der 16. BImSchV* sowie der TA Lärm** einhalten.

* BImSchV = Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes
** TA Lärm = Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm

Fragen zu den Chancen für die Region

Wie profitiert die Region von dem neuen ICE-Werk?

Wir setzen starke wirtschaftliche Impulse in Nürnberg und machen die Metropolregion dadurch noch attraktiver. Das neue ICE-Werk Nürnberg wird zu 100 Prozent CO2-neutral betrieben. Es reiht sich ein in die europäische Spitzenliga CO2-freier Bahnwerke. Wir schaffen 450 neue hochwertige Arbeitsplätze und investieren in eine bessere Infrastruktur und Einbindung Nürnbergs in den Deutschlandtakt. Neben dieser besseren Anbindung im Fernverkehr profitiert die Region auch wirtschaftlich vom Bau und Betrieb des Werkes.

Grundsätzlich wird ein Großteil der Leistungen dieses 400 Millionen-Euro-Bauvorhabens, sowohl was die Planung als auch die Ausführung angeht, in mehreren Losen in europaweiten Ausschreibungen vergeben werden. Dabei kommen oft lokale Firmen als Unterauftragnehmer zum Zug. Darüber hinaus werden auch in diesem Bauvorhaben entsprechende Lose in nationalen Vergaben ausgeschrieben. Insbesondere hier erhalten oft regionale Anbieter auf Grund ihrer Nähe zum Bauvorhaben den Zuschlag. Auch für den Betrieb des Werkes werden viele Dienstleistungen benötigt – das bedeutet wiederum Aufträge für lokale Lieferanten und Wartungsfirmen.

Wie setzen sich die 450 neuen Arbeitsplätze zusammen? Welche Berufsbilder werden gesucht?

Es entstehen 450 neue hochwertige Arbeitsplätze. Für den Betrieb eines ICE-Werkes suchen wir Ingenieur:innen, Disponent:innen, Mitarbeiter:innen für die Instandhaltung der Fahrzeuge aus den Bereichen Elektronik, Mechatronik, Schlosserei. Darüber hinaus benötigen wir Triebfahrzeugführer:innen für das Bewegen der ICE-Fahrzeuge sowie Reinigungspersonal.

Fragen zu den Auswirkungen auf den Verkehr

Wird sich das geplante Vorhaben auf den Nah- und Regionalverkehr auswirken?

Im Raumordnungsverfahren wird genau untersucht, wie gut das neue Werk an vorhandene Gleistrassen angebunden ist und diese auslastet. Es ist nicht geplant, Gleisanlagen für Nah-, Regional-, Fern- und Güterverkehr substanziell zu verändern. Wichtig ist, dass die Fahrten ins ICE-Werk parallel zum bereits bestehenden Schienenverkehr erfolgen können. Auswirkungen für Nah- und Regionalverkehre sind daher nicht zu erwarten.

Wie werden mögliche Eingriffe in Verkehrs-, Rad- und Fußgängerwege ausgeglichen?

Wie die Wege am und um das ICE-Werk am besten verlaufen sollen, ist Teil der Detailplanungen in den nächsten Monaten und Jahren. Unabhängig davon, wo das Werk gebaut wird: Relevante Verkehrsverbindungen müssen natürlich aufrechterhalten werden – notfalls mit Brücken, Tunneln oder Verlegungen.

Welche Wege das sind, ermitteln wir nicht nur in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden. Wir wollen auch im direkten Gespräch mit den Bürger:innen herausfinden, welche Routen ihnen vor Ort besonders wichtig sind, um dann gemeinsam geeignete Alternativen zu finden.